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Von Jürg Keller, Rheinfelden

Auch ein Kritiker lobt gerne, wenn er Lobenswertes findet: Dazu gehört eindeutig die Wahl des diesjährigen Mottos: Energie und Natur gehören zu den wichtigsten Problemkreisen unserer Zukunft. Wie wir mit beiden umgehen werden, entscheidet über unsere Zivilisation. Bei der Energie ist die Richtung, die wir einschlagen müssen, hinreichend bekannt ( s.Neujahrsansprache im Netz). Schwieriger ist aber der Umgang mit der global in Schieflage geratenen Natur. Alle Ökosysteme werden übernutzt oder sind bereits nahe ihrer Zerstörung. Hier kann Rheinfelden mit seinen bedeutenden Waldflächen eingreifen und das Jahres-Motto zu Verbesserungen nutzen.
Wald wird gemeinhin zur Natur gezählt. Das war auch einmal richtig: Nach den Eiszeiten breiteten sich Urwälder nahezu über ganz Europa aus. Mit der Sesshaftigkeit des Menschen begannen aber Rodungen und intensive Holznutzungen. In der Schweiz gibt es nur noch zwei kleine Urwaldareale (Derborence, Ilanz/Breil). Auf unsern Waldspaziergängen sehen wir jetzt immer mehr unnatürliche Kahlschläge, die das Ökosystem Wald weiter schädigen.
Der gesellschaftliche Naturwert des Waldes hat seinen Holzwert schon lange überflügelt. Deshalb ist die Zeit reif, um von der De-Naturierung des Waldes zu seiner Re-Naturierung überzugehen – also ähnlich, wie man dies von verbauten Gewässern kennt. Wir können damit keine Urwälder mehr rekonstruieren, aber wir können diese immerhin nachahmen. Dieses “imiter la nature“ führt zu „naturnahen“ Wäldern, und diese müssen das Ziel einer zeitgerechten Waldwirtschaft sein. In der Annahme, dass das Jahresmotto konkrete Taten auslösen soll - und nicht nur als Werbung gedacht ist - schlage ich deshalb vor:

- Die Ortsbürger (Waldeigentümer) und ihr Forstbetrieb verzichten 2021 ganz auf Flächenhiebe .
– In dieser Pause werden Bewirtschaftungspläne ausgearbeitet, die einen schonenden Weg zu „Naturnahen Wäldern“ aufzeigen.
– Damit die Ortsbürger (Waldeigentümer) Anschauung zum angestrebten Ziel erhalten, organisieren sie Exkursionen in die Wälder von Sulz, Basadingen oder auch in den Staatswald „Langholz“ (s. Bild) bei Rothrist). Man wird dabei erfahren, dass auch die naturnahe Bewirtschaftung zu schwarzen Zahlen in der Waldrechnung führen kann.
– Weil Wald in der Schweiz irgendwie allen gehört, wäre der Einbezug von Normalbürgern bei diesem Projekt sinnvoll - und sogar gesetzeskonform.

Was jetzt als Motto uneingeschränkt zu loben ist, muss im Dezember auf seine konkrete Wirkung hin geprüft werden. Dann gilt aber nur noch: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!“ Der Schreibende würde sich freuen, wenn an Weihnachten auch diese Früchte uneingeschränkt zu loben wären.

Bild: Naturnaher Wald zwischen Rothrist und Glahütte/Murgenthal (aufgenommen im Juni 2020). Foto: Jürg Keller

 

 

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