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Von Franz Meier, Stein

Vor einem halben Jahrhundert wurde innerorts zuerst Tempo 60, später Tempo 50 eingeführt. Wir hatten damals um die 1800 Tote im Strassenverkehr. Heute sind es zehnmal weniger. Gott sei Dank – auch wenn jeder Tote und Verletzte im Strassenverkehr noch immer einer zu viel ist.
Damals hatte es noch viel weniger Verkehr. Und selbst die Hauptstrassen in den Dörfern hatten noch nicht alle Trottoirs. Gärten, Hausplätze und Miststöcke grenzten oft bis an die Strasse – auch an die Hauptstrassen. Fussgänger konnten somit – nicht wie in den Städten und den grösseren Ortschaften – auf Trottoirs gehen. Mit der Temporeduktion innerorts und dem Einbau von Trottoirs wurde deshalb ein ganz wichtiger Schritt zu mehr Verkehrssicherheit gemacht. Die Strassen wurden zudem auch übersichtlicher gestaltet. Bei Einmündungen in Quartierstrassen wurde für bessere Sichtverhältnisse gesorgt, es wurden Bushaltebuchten eingerichtet. Der Autoverkehr sollte zwar langsamer – mit Tempo 50 – aber doch flüssig sein. Die Schaffhauserstrasse in Stein ist ein sehr gutes Beispiel für die Umsetzung dieser Idee.
In vielen Ortschaften fehlte jedoch der Platz, um solche Strassen-Layouts zu realisieren. Die Hauptstrasse in Frick ist ein solches Beispiel. Die Häuser verhinderten eine Verbreiterung – nicht selten war es schon schwierig, überhaupt auch nur ein Trottoir einzubauen, weil die Privatgrundstücke bis an die Strasse reichten – und die Besitzer nicht auf ihren Garten oder den Hausplatz verzichten wollten. Häuser abzureissen, um Platz zu schaffen, kam sowieso nicht in Frage. Vielerorts konnten aber trotzdem wesentliche Verbesserung erreicht werden – und die Verkehrssicherheit wurde erhöht.
Die Zeit ist aber seither nicht stillgestanden. Der Verkehr hat weiter sehr stark zugenommen. Nicht nur in Frick kann in den Hauptverkehrszeiten sowieso nicht mehr mit Tempo 50 gefahren werden. Oft ist man auf der Hauptstrasse von Frick schon froh, dass der Verkehr überhaupt noch im Schritttempo rollt – und es nicht zum Stau kommt. Und wenn dann noch ein etwas weniger geübter Autofahrer Mühe hat, in eine Parklücke entlang der Hauptstrasse zu parkieren, oder ein Lastwagen mit Sattel-Auflieger oder das Postauto versucht, in die Schulstrasse abzubiegen oder aus der Geissgasse einzumünden, wird der Verkehrsfluss praktisch blockiert. Das führt für die Anwohner – vor allem wegen des Motorenlärms – zu unhaltbaren Verhältnissen. Die Abgase durch den stehenden Verkehr und vor allem das Anfahren der Lastwagen verursachen derart grosse Immissionenn, dass es wirklich kaum mehr zu ertragen ist.
Und jetzt kommen seit ein paar Jahren auch noch die Velofahrer dazu. Noch vor wenigen Jahren haben sich die Juristen darüber gestritten, ob ein Kind mit seinem Velo auf dem Trottoir fahren soll und darf, um vor dem Autoverkehr besser geschützt zu sein. Das ist aber längst nicht mehr aktuell. «Gewohnheitsrecht» hat dazu geführt, dass Velofahrer nun auf das Trottoir ausweichen, wenn die Fahrbahnen verstopft sind oder zu gefährlich erscheinen. Somit kommt es dazu, dass auch Elektrovelos und elektrische Trottinets – auch solche, die mit Tempo 40 fahren dürfen – mit viel zu hohen Geschwindigkeiten um die Fussgänger auf den Trottoirs herumkurven. Frauen mit Kinderwagen und Kleinkindern, Gehbehinderte mit Rollatoren und Schwerhörige werden dadurch ganz besonders gefährdet. Für einen Betagten kann es das «Aus» bedeuten, wenn er auf dem Trottoir angefahren wird. Er wird sich von den Verletzungen kaum mehr erholen können – und dann seinen Lebensabend im Pflegeheim verbringen müssen. Und das nur, weil ein «etwas zu schneller» Velofahrer auf das Trottoir ausgewichen ist.
Es sind somit nun neue Ideen gefragt, wie der immer noch zunehmende Verkehr in den Ortschaften bewältigt werden kann. Dabei geht es kaum mehr um die Frage, ob Tempo 30 eingeführt oder der Verkehr mit Hindernissen verlangsamt werden soll. Im Gegenteil: Der Verkehr muss besser kanalisiert und somit wieder flüssiger werden. Erfahrungen anderswo haben gezeigt, dass bei so gestalteten Fahrbahnen auch ohne Tempo-Signalisation kaum noch über Tempo 40 gefahren wird – selbst wenn die Fahrbahn frei ist. Und: Velos – vor allem auch die schnellen Elektrovelos – gehören bei den Hauptstrassen auf die Fahrbahnen – wenn es nicht möglich ist abgegrenzte Velospuren einzurichten. Bushaltestellen sind so einzurichten, dass sie den Verkehrsfluss nicht ausbremsen, und Parkplätze sollten nur noch dort sein, wo auch durch das Einparkieren der Verkehrsfluss nicht behindert wird. Und wenn dann hier und dort noch ein schattenspendender Baum in einer Nische als «Klimaoase» Platz hat – dann umso besser. Es gibt spezialisierte Ingenieurbüros, die solch neue Ideen entwickelt haben, wie das Verkehrsproblem auf den Hauptstrassen innerorts besser gelöst werden kann. Es ist zu hoffen, dass solche Lösungen in den nächsten Jahren die Verkehrsverhältnisse auch in unseren Gemeinden im Fricktal verbessern werden – in Frick, in Stein, und anderswo...

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