(tbb) Dem heimischen Braunbrustigel geht es schlecht – nach Millionen von Jahren auf unserem Planeten steht er mittlerweile auf der roten Liste der gefährdeten Tiere. Zwischen März und April erwachen die Igel aus dem Winterschlaf und begeben sich auf Futtersuche – doch sie sind geschwächt und auf Unterstützung angewiesen.
Igel erwachen aus dem Winterschlaf: So kann man helfen
Nach dem langen Winterschlaf haben Igel oft ein Drittel ihres Körpergewichts verloren. Um ihre Reserven wieder aufzufüllen, benötigen sie dringend Wasser und Nahrung. Als Insektenfresser ernähren sich Igel von Käfern, Larven, Puppen, Raupen, Ameisen, Mücken und Spinnen.
Doch das Insektensterben macht es den Tieren schwer, ausreichend Nahrung zu finden. Aufgrund der schwindenden Nahrungsgrundlage wird in der Not die natürliche, artgerechte Insektennahrung immer mehr durch für Igel schädliche Schnecken ersetzt. Durch diese Nahrung werden Parasiten übertragen und die unterernährten Tiere werden noch zusätzlich krank. Ein kurzfristiges, gezieltes Futterangebot durch den Menschen kann vom Winterschlaf geschwächten Igeln helfen. Dazu eignet sich Nass- oder Trockenfutter für Jungkatzen mit hohem Eiweissanteil. Kommerzielle Igelfutter enthalten oft zu viele Kohlenhydrate und sind für Igel ungeeignet. Wichtig ist, dass das Futter vor anderen Tieren wie Katzen, Mardern oder Füchsen geschützt wird – hierfür werden im Handel spezielle Futterhäuser angeboten.
Für kommerziell oder selbstgebaute Futterhäuser sollte gelten:
Das Futterhaus sollte gross genug sein, damit zwei Igel aneinander vorbeikommen. Mindestgrösse ca. 40x60x40 cm.
Zwei Öffnungen (10 cm x 10 cm) mit Labyrintheingängen.
Evtl. Rattenklappen (Schwingtüren in den Eingängen).
Mit Bodenplatte, welche regelmässig gereinigt werden muss oder mit Zeitung ausgelegt werden kann (leicht zu wechseln): Die Hygiene am Futterplatz ist sehr wichtig. Eine regelmässige Reinigung des Futterhauses ist unabdingbar, um eine Übertragung von Krankheitserregern zu vermeiden.
Futterhaus ohne Bodenplatte auf Fliesen oder Stein stellen, so ist es gut zu reinigen.
Evtl. mit einer durchsichtigen Seitenwand, so können Igel beobachtet werden.
Die Zufütterung sollte jedoch zeitlich begrenzt sein und nicht dazu führen, dass sich mehrere Igel an einem Ort sammeln – das erhöht das Risiko von Infektionen und Parasitenübertragungen.
Vorsicht bei Gartenarbeiten
Mit dem Frühlingsbeginn starten viele Menschen mit den Gartenarbeiten – dabei lauern Gefahren für Igel:
- Achten Sie auf versteckte Igel, bevor Sie mit einer Mistgabel in Laub-, Ast- oder Komposthaufen stechen.
- Wird ein Igel versehentlich aufgestöbert, decken Sie ihn sofort wieder zu und lassen Sie ihn in Ruhe.
- Verwenden Sie Mähroboter nur tagsüber und nutzen Sie Fadenmäher nur, wenn Sie die zu mähenden Flächen vorher kontrolliert haben, vor allem unter Hecken und Büschen.
Naturnahe Gärten schützen Igel langfristig
Der beste Schutz für Igel ist ein intakter Lebensraum. Gärten, die naturnah gestaltet sind, bieten Nahrung und Rückzugsorte. Laub-, Ast- und Komposthaufen sind wertvolle Lebensräume für Insekten – und damit auch für Igel.
Zusätzlich sollten Schächte und Wasserbecken abgedeckt oder mit einer Ausstiegshilfe versehen werden, um zu verhindern, dass Tiere hineinfallen und nicht mehr herauskommen.
Igel in Not – was tun?
Falls Sie einen kranken oder verletzten Igel finden:
- Sichern Sie das Tier vorsichtig mit Handschuhen oder einem Tuch und setzen Sie es in eine mindestens 30 cm hohe Kiste.
- Holen Sie sich Rat bei Igel-Experten: Tierheim an der Birs, Beratungsstelle Tierschutz: 061 378 78 78 - 3
Mo bis Do 8 -12 Uhr und 13.30 bis 16 Uhr
Igelhilfe Baselbiet 077 496 25 48 und 077 439 73 45
Pro Igel Notfallnummer: 0800 070 080 (täglich 16.00 – 20.00 Uhr)
Weitere Pflegestationen finden Sie auf: www.igelzentrum.ch oder www.proigel.ch
Allgemeine Anfragen per Mail:
Schwer verletzte Igel sollten schnellstmöglich zu einem igelkundigen Tierarzt gebracht werden.
Appell an Autofahrer
Im Frühling überqueren viele Igel auf der Suche nach Nahrung oder einem Partner die Strassen – mit oft tödlichen Folgen. Bitte fahren Sie besonders in Dörfern und Städten aufmerksam.
Falls ein Igel auf der Fahrbahn sitzt, tragen Sie ihn vorsichtig in seiner Laufrichtung über die Strasse und setzen Sie ihn 2 bis 3 Meter vom Strassenrand entfernt ab. Verwenden Sie dafür Handschuhe oder ein Tuch und achten Sie auf die eigene Sicherheit.
Gemeinsam für den Schutz der Igel!
Jede kleine Massnahme kann helfen, das Leben dieser faszinierenden Tiere zu schützen. Helfen Sie verletzten oder in Not geratenen Igeln, gestalten Sie Ihren Garten naturnah und fahren Sie aufmerksam!